Jan 132014
 

Das erste Mal? Ja einmal musste es sein. Jeder redet davon, einige fahren hin und kaufen dort ein, andere stellen ihre Hunde aus. Nur ich konnte nie mitreden.

Morgens um 8:30 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Wir kommen an und stellen unser Auto auf dem Parkplatz für Aussteller ab. Najah (die beste aller Hündinnen) und meine Wenigkeit sind mit Freunden mitgefahren und dürfen darum die Vorzüge der Hundeaussteller genießen. Eine kleine Hündin soll heute und hier die ersten CACIB-Bewertungen bekommen. Mit vielen anderen Zwei- und Vierbeinern machen wir uns auf den Weg in die Hallen. Das ist ein Gewusel, Hunde bellen, Menschen rufen lauthals durch die Gegend, die ersten Pfeiler und Eingangstüren werden markiert, die ersten Zweibeiner schimpfen lauthals auf einige störrische Vierbeiner ein. Najah schaut mich nur an und geht ruhig neben mir durch die schon engen Gassen an vielen Ausstellungsboxen vorbei in den hintersten Teil der Halle zu unserem Ring. Dort schlagen wir unser „Camp“ auf. D. h. wir haben Klappstühle und etwas zu essen und trinken dabei. Als „Nur-Zuschauer“ habe ich Gelegenheit jetzt alles ganz genau zu beobachten. Einiges ist ok, anderes gefällt mir nicht so gut, vieles geht für mich gar nicht!

Najah liegt auf ihrer Decke und richtet sich nach mir. Ich lehne mich ruhig im Stuhl nach hinten und sie schläft ein. Kein Bellen, Jaulen oder aggressives Rüdengebaren kann sie ärgern. Sie weiß, dass ich über sie wache und schläft ruhig und fest.


Dann geht es los. Die ersten Hunde werden vorgeführt. Einige davon sehr cool, andere total verängstigt bis hin zur totalen Panik und unter sich pieseln vor Angst. Die Augen sagen alles und ich kann in diesem Moment die Besitzerin nicht verstehen. Mit Sonntags-Garderobe und einem Lächeln im Gesicht wird auch beim Anblick einer total panischen Hündin im Programm weitergemacht. Zähne zeigen, auf dem glatten Hallenboden wird die arme Maus durch den Ring gezogen. Die sehr dünne Ausstellungsleine schnürt ihr die Kehle zu. Sie röchelt und verliert auch wieder Pipi. „Fraule, warum muss ich das machen?“ scheinen ihre angsterfüllten Augen zu fragen!

Kurz danach ein Rüde der vor Angst vorangeht und versucht alles zu verbeißen. Ein anderer Rüde versucht zu flüchten und erhängt sich fast in dem dünnen Seil um seinen Hals. Der Besitzer kann ihm kaum helfen. Als letzten Notgriff (der Hund hat ja nur dieses dünne Ausstellungsbändchen um den Hals) packt er ihn am Fell und zieht in zu sich. Der Hund jault und schaut noch verschreckter als vorher nach oben. Danach gleiches Spiel, der Hund will wieder weg. Einfach nur raus!

Natürlich gibt es auch die Hunde, denen es nichts ausmacht mit ihren Besitzern durch den Ring zu gehen. Denen weder der glatte Boden noch der Lärmpegel in der Halle oder das Gebell und sehr oft auch aggressive Verhalten der Artgenossen Angst einjagt. Das sind die obercoolen, aber auch die sind und zeigen ein hohes Stressaufkommen. Die schnellen und sehr oft ausgeführten Beschwichtigungssignale sagen alles. Ein kurzes Lecken, ein Kopf zur Seite drehen oder ein Blinzeln. All das kann hier zur Genüge beobachtet werden. Zwei Rüden, die aneinander vorbei sollen, können sich nicht aus dem Weg gehen. So ist auch diese Aggressivität vorprogrammiert. Sie können ja leider nicht in einem Bogen aneinander vorbei. Alle Höflichkeitsgesten funktionieren hier schon aus Platzmangel nicht.

Dann ist endlich auch unsere kleine Maus an der Reihe. Der Besitzer sagte noch zu mir: „Sollte sie auch so ängstlich sein, breche ich sofort ab!“ Sehr lobenswert! Aber sie ist eine von der wirklich coolen Sorte. Sie geht ohne große Angst über den glatten Boden. Schaut dabei nur auf ihr Herrle und zeigt dann auch ihr Zähne. Sie bekommt den ersten Platz in der Jüngstengruppe und natürlich freuen wir uns auch sehr darüber. Einen Sinn kann ich persönlich nicht darin sehen, aber es gibt ja mehr so sinnlose Dinge auf diesem bunten Erdball.

Najah schläft immer noch. Ich weiß genau, dass sie zwar gerne immer an meiner Seite ist, sich im Ring auch sehr, sehr unwohl gefühlt hätte. Da gehen wir doch lieber jetzt eine Runde shoppen. Auch das ist natürlich Stress für Najah! Sie geht nur von einem Futterstand zum Nächsten und versucht (mit viel Erfolg) so einiges zu erbetteln. Müde und satt gehen wir anschließend noch zum Pipimachen nach draußen. Ein paar kleine grüne Flecken Rasen sind als „Lösestellen“ ausgeschrieben. Ich sehe richtig wie meine Maus ihre Nase rümpft. Ganz schnell rein in die kleine Wiese und die Schleuse auf. Dann aber schnell wieder ab nach draußen! Sollte ich wieder mal auf einer Ausstellung dieser Größe sein, werde ich mir die Eintrittskarte in die Hosentasche stecken. Das war jetzt wahrscheinlich mein Fehler. Sicher hätte ich die Messe verlassen und mit der Karte wieder rein dürfen? Ich weiß es nicht!

Wir wandern wieder zurück in die Halle. Es ist jetzt Mittagszeit und dementsprechend übervoll. Wir kommen kaum durch die Menschenmengen. Ich bin froh, als ich mit Najah wieder in meinem Stuhl am Ring sitze. Wir kuscheln noch eine Weile und schauen wieder den anderen Bewertungen zu. Immer wieder die gleichen Symptome, mal mehr oder weniger schlimm.

Endlich gibt es auch die Papiere für alle Teilnehmenden zurück. Es ist fast Abends geworden, die Hallen leeren sich, viele sind schon fertig und packen ihre Sachen zusammen. Ein für Zwei- und Vierbeiner sicherlich sehr anstrengender Tag ist zu Ende gegangen.

Ich wünsch allen Vierbeinern von ganzen Herzen dass sie nicht allzu oft an solchen Massenveranstaltungen teilnehmen müssen. Trotzdem habe ich viel gelernt und gesehen. Habe in sehr verbissene Menschengesichter geschaut, aber auch sehr nette Leute kennengelernt. Ich würde vieles ändern oder anders machen. Z. B. müssten für mich die Ausstellungsleinen doch gar nicht so dünn sein. Ein Würge-Halsband ist tierschutzwidrig, was ist dann erst dieses dünne Bändchen? Die Böden könnten doch auch mit Kunstrasen oder Gummimatten ausgelegt werden. Dies würde es vielen Tieren erleichtern darauf zu gehen. Und dann natürlich der Platz, der für viele Hunde schon rein Rassebedingt auch viel zu knapp ist. Und warum machen die Richter selbst bei Hunden mit richtiger Panik immer weiter und weiter? Muss das sein? Fragen über Fragen? Vielleicht gibt es ja für alles auch gute Erklärungen? Wäre schön, wenn einige Verantwortliche auch einmal darüber nachdenken und evtl. auch etwas erneuern.

(c) Gabi Müller

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